Toyota MR2 (W20, 1990-1999): Meisterwerk mit Mittelmotor

Die Automobilhistorie kennt manches mutige Mittelmotorkonzept, aber der in drei Generationen gebaute Sportwagen Toyota MR2 durfte seine ganz eigene Geschichte schreiben: Mit über 320.000 verkauften Einheiten gilt der MR2 als meistverkaufter asiatischer Mittelmotor-Zweisitzer. Einen entscheidenden Beitrag zu dieser Erfolgsstory leistete die zweite Serie mit dem Baureihencode W20, von der ab 1989 über 130.000 Einheiten gebaut wurden.

Tatsächlich stand der im Juli 1990 auch in Deutschland lancierte zweisitzige Toyota MR2, von seinen Fans weiterhin liebevoll «Mister Two» genannt, für einen neuen Traum vom sportlichen Fahren. MR2-Chefdesigner Kunihiro Uchida wählte für den im Windkanal geglätteten Wagen weichere Formen ohne scharfe Ecken und Kanten. Nun wird der W20 30 Jahre alt und ist damit auf dem besten Weg zum Oldtimer.

Damit fuhr der um 26 Zentimeter auf 4,18 Meter Länge vergrößerte MR2 seiner Zeit so weit voraus, dass er ein Jahrzehnt bei den deutschen Toyota-Händlern aktuell blieb — erst im neuen Jahrtausend löste die dritte MR2-Generation den W20 ab. Kein anderer Toyota-Sportwagen wurde bisher über einen so langen Zeitraum ohne größere Designänderungen produziert.

Allerdings war es auch die Toyota-MR2-Community, die einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der zweiten Generation dieser Fahrmaschine geleistet hatte. Toyota hatte in einer damals außergewöhnlichen Felduntersuchung detailliert ermittelt, welche Wünsche die Fans an den Zweisitzer hatten.

Gleich blieb deshalb nur das Layout mit dem Motor in der Mitte zugunsten optimaler Achslastverteilung von 45 zu 55 Prozent zwischen vorn und hinten für ein neutrales Fahrverhalten.

Toyota MR2 (W20, 1990-1999)

Im Vergleich zum Vorgänger konnte die Fahrdynamik weiter gesteigert werden. Vollkommen neu war der 2,0-Liter-16-Ventil-Einspritzer, der im MR2 2.0 GT-116, so der anfängliche Typencode für den deutschen Markt, für Vortrieb sorgte. Davon kündete schon das Leistungsgewicht von nur 7,6 Kilogramm pro Pferdestärke, damals ein Supercar-Wert.

Dabei genügten dem Toyota MR2 hierzulande anfangs 115 kW (156 PS), ab 1994 waren es dann beachtliche 129 kW (175 PS), die den Dynamiker 225 km/h schnell machten. Auf manchen Märkten gab es den Klappscheinwerfer-Renner auch mit 2,2-Liter-Vierzylinder oder sogar mit Turboaufladung und 225 PS Leistung, die den MR2 in 5,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h katapultierten. 

Gelegenheit, seine Siegfähigkeit unter Beweis zu stellen, erhielt der Toyota MR2 (W20) überdies bei Tourenwagenrennen. «Mister Two» galt sowohl in der South-East-Asian Supercar Championship, der japanischen Fuji Freshman Series sowie in der Super GT als gefürchtete Konkurrenz. Doch auch in europäischen Serien wie der Swiss Touring Car Championship trat der MR2 an.

Toyota MR2 (W20, 1990-1999)

Sogar für den Start bei den 24 Stunden von Le Mans und den 1.000 km von Suzuka diente der MR2 in den Jahren 1995 bis 1997 als Basisfahrzeug, denn der Rennwagen Sard MC8 nutzte die Technik des Mittelmotor-Toyota. Einzigartig blieb dagegen jener MR2, der 1992 in den USA mit Pilot Dennis Aase auf Tempo 339,686 km/h kam und damit in seiner Klasse einen Weltrekord aufstellte.

Doch zurück nach Europa: Hierzulande gab es den Toyota MR2 serienmäßig als sogenanntes T-Bar-Cabrio. Mit wenigen Handgriffen konnten die zwei Dachhälften aus getöntem Sicherheitsglas herausgenommen und hinter den Sitzen verstaut werden, so dass nur eine solide und sichere Dachstrebe in Form des Buchstaben T zurückblieb.

Toyota MR2 (W20, 1990-1999)

Einen praktischen Vorteil boten die um über 50 Prozent gegenüber dem Vorgänger vergrößerten Gepäckräume vorn und hinten, die in der zweiten Generation nun 219 Liter umfassten. Auf 91 Einheiten limitiert blieb der Toyota MR Spider (W20), den Toyota Technocraft ab 1996 baute.

Apropos 1996: Damals kritisierten die Tester des ADAC den aus ihrer Sicht müden Motor in Verbindung mit einem viel zu lang übersetzten Getriebe. Zwar lobte man im gleichen Atemzug die an einen Ferrari erinnernde Optik, bemängelte aber das enge Cockpit. Dort könnten es nur Fahrer bis etwa 1,75 Meter Größe gut aushalten.

Und im Grenzbereich erforderte der MR2 aufgrund seines Mittelmotors eine kundige Hand. 55.450 DM kostete ein Toyota MR2 vor knapp 25 Jahren in Serienausstattung.